Neulich habe ich mir wieder mal gedacht, dass ich viel zu selten Filme einfach so anmache, ohne vorher zig Kritiken zu lesen. Früher war das ganz normal. Man hat die DVD in der Videothek entdeckt, das Cover hat einen irgendwie angesprochen, und dann ist man mit Chips und einer Cola vor den Fernseher gesessen. Genau so ging’s mir jetzt mit The Surfer, dem neuen Nicolas Cage Film, über den ich zufällig gelesen habe. Und ich sag euch, der hat mich auf eine ganz eigene Art erwischt.
Ich habe zu Cage ja ein zwiegespaltenes Verhältnis. Manchmal haut er richtig raus. Ich meine, Lord of War oder 8mm, großartig. Dann wieder macht er so B-Movie-Zeug, wo man sich fragt, ob er überhaupt wusste, dass da eine Kamera läuft. Aber genau das macht’s spannend, weil du nie weißt, was du bekommst. In The Surfer war’s dann so eine Mischung aus intensiver Dramatik und einer seltsamen, fast träumerischen Stimmung. Keine kitschige Surfer-Story, sondern ein Kammerspiel am Strand, das sich langsam in etwas Dunkleres verwandelt.
Das hat mich sofort an eine eigene Situation erinnert. Vor ein paar Jahren war ich in Portugal surfen. Also, surfen im weitesten Sinne. Ich habe eher versucht, nicht permanent vom Brett zu fallen. Aber was mir hängen geblieben ist: diese Mischung aus Freiheit und Fremdsein. An einem Morgen kam da so eine kleine Gruppe Locals an, die uns ganz freundlich, aber bestimmt klargemacht haben: „Dieser Spot ist nicht für Touristen.“ Wir haben uns verdrückt, weil wir keinen Stress wollten, aber dieses Gefühl. Du bist an einem traumhaften Ort und trotzdem irgendwie ausgeschlossen. Das kam beim Film sofort wieder hoch.
Im Film ist Cage dieser Fremde, der einfach nur an den Ort seiner Kindheit zurückkehren will. Er steht auf diesem Parkplatz über dem Strand, sein Auto könnte ihn jederzeit wegbringen, aber er bleibt. Er will dieses eine Stück Heimat zurück, koste es was es wolle. Und du merkst, wie er dabei Schritt für Schritt nicht nur den Kampf gegen diese Clique verliert, sondern auch gegen sich selbst.
Was mich besonders gepackt hat, war dieser stille Druck unter der Oberfläche. Keine Explosionen, keine Hollywood-Rachefantasien, sondern ein Mann, der innerlich kocht, aber trotzdem ausharrt. Dazu diese sonnendurchfluteten Bilder, die fast nach Freiheit riechen, und gleichzeitig diese Enge im Kopf des Protagonisten. Das ist Kino, das dich nicht anbrüllt, sondern dich langsam reinzieht, bis du merkst: „Hoppla, ich bin mittendrin.“
Und jetzt, wo ich drüber nachdenke, hätte ich richtig Lust, mal wieder so spontan Filme zu schauen, ohne Trailer, ohne Erwartung, einfach auf gut Glück. Wer weiß, vielleicht wartet der nächste The Surfer ja schon irgendwo im Streaming-Menü.